Klimatipp 3: Ernährung und Klima?

Die folgenden Inhalte stammen von der deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Die Ergebnisse selbst vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) im Zuge eines Forschungsprojekts. Dabei wurde der CO2-Fußabdruck von 188 Lebensmitteln und 8 Gerichten bilanziert.

Das Bekannte
Dass die Erzeugung von einem Kilo Fleisch einen größeren CO2-Fußabdruck erzeugt als die von einem Kilo Gemüse ist prinzipiell ebenso bekannt wie, dass Rindfleisch beim Fleisch diesbezüglich auf dem klimafeindlichen Platz 1 liegt. Doch die genauen Zahlen dürften nur die wenigsten kennen: Rindfleisch (13,6 kg CO2), gefrorene Garnelen (12,5 kg), Hirschfleisch (11,5 kg), Rinderhack (9,2 kg), Hähnchen (5,5 kg), Aquakultur-Fisch (5,1 kg), Schweinefleisch (4,6 kg). Dagegen fallen Gemüseschnitzel (1,3 kg) oder Tofu (1,0 kg) praktisch nicht ins Gewicht. Auch andere tierische Produkte sind sehr klimalastig: Butter 9,0 kg, Feta 7,0 kg, Parmesan 6,3 kg, Emmentaler 6,0 kg, Sahne 4,2 kg. Hingegen Eier (3,0 kg) und Milch (1,4 kg) erzeugen kaum Emissionen, der pflanzliche Milch-Ersatz (Hafermilch etc.) mit 0,3 kg noch viel weniger.

Das Unbekannte
0,75 Liter Wein in der Glaseinwegflasche haben mit 1,0 kg immer noch verhältnismäßig geringere Emissionen als 0,5 l Bier in der Mehrwegflasche (0,9 kg). Die CO2-lastigsten Getränke dieser Auflistung sind pulverisierter Kaffee (5,6 kg) und Kakao (5,0 kg). Von allen Tomatenerzeugnissen ist das Tomatenmark mit 4,0 kg am Klimaschädlichsten, noch vor der Gewächshaus- bzw. Winter-Tomate (2,9 kg); deutsche Tomaten in der Saison kommen auf gerade 0,3 kg. Gegenüber frischen Produkten haben alle abgefüllten, eingedosten und -gefrorenen Produkte den anderthalb bis zweifachen CO2-Fußabdruck; dies gilt insbesondere, wenn es sich um Einweg-Behältnisse handelt.

Das Überraschende
Biolebensmittel haben, gleiche Transportwege vorausgesetzt, höhere CO2-Lasten als konventionelle. Nach Ansicht der Autoren rührt das daher, dass sie mehr Ackerfläche benötigen, der daher mehr landwirtschaftliche Klimaemissionen zugewiesen werden, die z.B. aus bewirtschafteten Mooren entstehen. Wie sehr Transporte, insbesondere im internationalen Lebensmittelhandel, den CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln beeinflussen können, zeigt die Ananas: per Schiffstransport (0,6 kg) ist sie deutlich klimafreundlicher als per Lufttransport (15,1 kg). Von allen kohlenhydrathaltigen Grundnahrungsmitteln haben Kartoffeln (0,2 kg) den geringsten Klimagas-Fußabdruck, gefolgt von Brot, Nudeln und Mais (1,2 kg). Mit Abstand am schlechtesten schneidet der auch bei Veganern beliebte Reis (3,1 kg) ab; da ist selbst die Thüringer Rostbratwurst (2,9 kg) noch klimafreundlicher.

Das Problematische
Weniger die fehlenden Lebensmittel dieser Studie sind das Problem – wenngleich z.B. der Fußabdruck hochprozentiger Getränke schon interessant wäre – , als vielmehr die Systemgrenze „Supermarktkasse“. Diese ist zwar auch berechtigt, verstellt aber den Blick auf eine noch klimafreundlichere, unerwähnte Systemgrenze, die sich für viele Produkte (Obst, Gemüse, Kartoffeln, evtl. auch Huhn) durchaus ermitteln lässt: die Systemgrenze „Eigener Balkon/Garten“. Hier dürften auf Grund der o.a. Ergebnisse bei Verpackung und Transport die CO2-Emissionen erheblich geringer sein. Wer also seine Umwelt nicht nur mit breitblätterigen Blumen und toten Tujahecken zupflastern will, hat jetzt ein Argument. 

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